Zum Tode Werner Schröders

Abschied eines Schülers

Am 26. Dezember 2025 ist Werner Schröder, der ehemalige Deutsch- und Geschichtslehrer der Geesthachter Bertha-von-Suttner-Schule, mit 79 Jahren nach mehreren Wochen Krankheit verstorben. Geboren am 17. Juni 1946 in Wyk auf Föhr, studierte Werner Schröder Germanistik und Geschichte an der Kieler Universität mit dem Ziel, Realschullehrer zu werden. Nach seinem Studium unterrichtete er über ein Jahrzehnt lang an einer Privatschule im Ruhrgebiet. 1986 wechselte er an die damalige Realschule in Geesthacht, wo er als Klassenlehrer und als Sprecher der Fachschaft Geschichte schnell Verantwortung übernahm. Werner Schröder kümmerte sich mit Hingabe um seine Schülerinnen und Schüler und führte gerne Klassenfahrten und außerunterrichtliche Veranstaltungen mit ihnen durch. Im Unterricht setzte er gerne auf eine Vielzahl unterschiedlicher Medien und Methoden. Auch Kunst- oder Film-Arbeitsgemeinschaften bot er gerne den Schülern an, sogar über die Zeit seiner krankheitsbedingten Pensionierung im Jahr 2010 hinaus. Nach den politischen Veränderungen der Jahre 1989-1991 war er schnell dabei, als es darum ging, Kontakte in den Osten aufzubauen. So engagierte er sich sehr früh für einen Schüleraustausch und die Städtepartnerschaft mit Kuldiga und besuchte regelmäßig, auch als Teil städtischer Delegationen, die lettische Stadt. Ehrenamtlich brachte er sich als Schöffe am Landgericht in Lübeck und dem Amtsgericht in Geesthacht ein.

Der Unterzeichner nimmt Abschied von seinem ehemaligen Klassen-, Deutsch- und Geschichtslehrer. Jener schneebedeckte Morgen im Februar 1991 ist noch lebendig in seiner Erinnerung, als er, der Spätaussiedler, ihn vor dem Lehrerzimmer der Realschule erblickte. Der Klassenlehrer kümmerte sich schnell und intensiv um seinen neuen Schüler und unterstützte ihn bei der Integration, dem Spracherwerb usw. Aus dem Lehrer-Schülerverhältnis entwickelte sich nach der Mittleren Reife eine immer stärker werdende Freundschaft, die auf den gleichen Interessen für den Jazz, die Literatur und Geschichte aufbaute. Warmherzig, großzügig und voller Liebe begleitete Schröder den Werdegang seines ehemaligen Schülers, getreu der Botschaft seines geliebten Erich Fromm, dass erst Sein, Geben und Sich-Mitteilen echte menschliche Beziehungen ausmachen.

Der plötzliche Tod seiner Frau Mareile im Frühsommer 2023, einer Künstlerin, die ihm an Herzensgüte in nichts nachstand, brach eine Ehe entzwei, die 1969 geschlossen wurde und damit länger als ein halbes Jahrhundert andauerte. Werner Schröder litt sehr stark unter dem Verlust und war seitdem nicht mehr er selbst. Die letzten anderthalb Jahre seines Lebens verbrachte er weitgehend vereinsamt in einem Altenheim in Möhnsen, wo er sehr liebevoll aufgenommen wurde.

 

Beerdigt wird er neben seiner Frau Mareile Schröder auf dem Waldfriedhof in Geesthacht.

 

Dr. Franz Sz. Horváth

Rüsselsheim am Main